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"Der Sitz des Reiters" - Workshop mit Johann Riegler

Samstag/Sonntag, 17./18. Oktober 2009


Auf Gut Ebenroth war kurz vor Beginn des Workshops durchaus eine positive Anspannung spürbar. Schließlich treffen nicht alle Tage 14 Gastpferde aus ganz Deutschland ein, deren Reiter bei Johann Riegler, Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule Wien, an der Longe eine Sitzschulung erhalten sollen. Und Johann Riegler bei uns zu haben, den Weltmeister der Courbette, war nicht minder aufregend.

Nachdem Isabella Sonntag, die Inhaberin des Wu Wei Verlages alle Teilnehmer, 10 aktive Reiter und 40 Zuschauer, herzlich begrüßt hatte, startete Johann Riegler um 9.45 Uhr am Samstagmorgen mit seinem Workshop. Zunächst betonte Riegler, dass ein zu longierendes Pferd stets mit einem perfekt sitzenden Kappzaum zu zäumen ist. Um das Pferdemaul sensibel zu halten, würde er niemals am Trensenring longieren. Da es in diesem Workshop um den Sitz des Reiters ging, wurden die Pferde ausnahmsweise (sehr lang) ausgebunden. Somit konnte sich der Reiter ausschließlich auf sich konzentrieren.
Dann ließ Riegler sich auf dem Trakehner Goethe longieren um zu demonstrieren, was und wie die 10 Schüler anschließend lernen sollten. "Durch einen geschmeidigen Sitz ist es mir möglich, den Rücken des Pferdes hochzureiten", sagt Riegler. Und es funktionierte. Schon nach wenigen Minuten war zu beobachten, wie sich Goethes Rücken im Trab unter Johann Riegler aufwölbte.

Nun saß die erste Reiterin auf. Die Steigbügel wurden abgenommen und Riegler brachte Renate auf äußerst charmante österreichische Art dazu, sich zunächst einmal zu entspannen. Die Reiterin sollte ohne Zügeleinwirkung, nur ihren Sitz spürend, reiten. Der linke Arm hing locker herunter, die Finger geöffnet, während die rechte Hand, zur Faust geballt die (durchhängenden) Zügel hielt. Immer wieder korrigierte Riegler Handhaltung, Becken und Schulter. Renates Sitz wurde zunehmend geschmeidiger und es war deutlich zu sehen, dass ihr Körper immer besser mitschwingen konnte. Nach 20 Minuten intensiven Unterrichts stieg eine sichtbar zufriedene Reiterin vom Pferd und die Zuschauer hatten nun Gelegenheit Fragen zu stellen.

Bis zur Mittagspause durften 5 Reiter diesen einzigartigen Unterricht genießen. Bei gutem Essen in der gemütlichen Reitbar konnten sich alle aufwärmen, denn am Nachmittag galt es nochmals, einige Stunden in der Halle auszuharren. Nach dem Abendessen gab es ein ganz besonderes Highlight: Johann Rieglers Film "Der geschmeidige Sitz - die Sprache zwischen Reiter und Pferd" wurde uraufgeführt. Erst am Nachmittag es selben Tages war die Urfassung fertig geworden. Regisseur Hardy Martin setzte sich kurzerhand hinters Steuer und fuhr von München nach Arnstein, um die DVD pünktlich zur Premiere persönlich zu bringen. Nach der Vorführung wurde bei gutem Wein und Irish Coffee noch bis über Mitternacht hinaus gefachsimpelt.

Am Sonntag hieß es wieder früh aufzustehen, denn weitere Teilnehmer warteten auf ihre Sitzschulung.



Dr. Gerd Heuschmann auf Gut Ebenroth

Freitag, 24. April 2009


Der Tierarzt, Buch- und Filmautor und Dozent an der Deutschen Reitschule in Warendorf, Dr. Gerd Heuschmann, erörterte das Thema „Der Körperbau des Pferdes erklärt seinen Ausbildungsweg".

Die rund 100 Zuhörer wurden von einem packenden Erzähler und hervorragend ausgebildeten Fachmann auf die Reise durch den Pferdekörper geleitet. Biomechanische Erkenntnisse wurden von Dr. Heuschmann sinnvoll und eindrücklich mit den Grundsätzen der klassischen Reitlehren verzahnt, wodurch der Wert und Gehalt der Lehren alter Meister wie Gustav Steinbrecht („Gymnasium des Pferdes", 1884), Gustav von Dreyhausen (1951) und Erich Glahn (1956) hervorgehoben und betont wurde. Dr. Heuschmann zeigte sogar die Verbindung zu Xenophon, einem griechischen Philosophen und Heerführer, auf, der bereits etwa 400 v. Chr. mit seiner Schrift „Über die Reitkunst" wichtige Erkenntnisse über die Gesunderhaltung des Reitpferdes lieferte.

Die von Heuschmann propagierte Rückbesinnung auf die Grundsätze der Reitlehren in Verbindung mit seinen Erläuterungen zur Anatomie des Pferdes waren derart faszinierend und gehaltvoll, dass die Vortragsteilnehmer selbst in der Pause dem Dozenten Fragen stellten und eigene Erfahrungen austauschten. Erst nach fünf Stunden und einem Exkurs in die Themen "Sattel" und "Zügellahmheit" ließ das Publikum einen brillanten Dozenten und Kämpfer für die Pferde gehen.





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